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MVB 44: Friedrich der Große: „70 Solfeggien für Altblockflöte“

Die Solfeggien Friedrichs, die vielleicht zum Teil auch aus der Feder seines Lehrers J. J. Quantz stammen, sind grundlegende Übungen, von denen der König eine Abschrift in jedem seiner Musikzimmer zum täglichen Gebrauch aufbewahrte. Die Solfeggien haben bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren und machen Spaß zu spielen, da es kleine und sinnvolle Musikstücke sind. Die im Original für die Traversflöte notierten Stücke wurden teilweise transponiert, um sie dem Ambitus der Altblockflöte anzupassen. Tägliche Übungen, damals für den König, heute für alle fortschreitenden Flötisten.
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Vorwort
Die vorliegenden Solfeggien erwähnte bereits Charles Burney (1726-1814) in „The Present State of Music, Or, The Journal of a Tour, undertaken to collect Materials for A General History of Music“ (3 Bände, London 1771und 1773). Eine zeitgenössische Übersetzung der drei Bände von Christoph Daniel Ebeling und seinem Verleger Bode liegt vor als „Carl Burney’s / der Musik Doctors / Tagebuch / einer / Musikalischen Reise“ (Hamburg 1772 und 1773).

Im dritten Band „in Germany, the Netherlands and United Provinces“ (bei Ebeling / Bode „durch Böhmen, Sachsen, Brandenburg, Hamburg und Holland“) beschreibt Burney seinen Besuch bei Friedrich II, dem Großen, König von Preußen, in dessen neuen Palast, Schloss Sanssouci, in Potsdam: „Das Concertzimmer des Königs hat Spiegel von ganz ausnehmender Größe . . . Alles Geräthe und alle Zierrathen in diesem Zimmer sind nach dem allerfeinsten Geschmacke. Es steht ein Pianoforte von dem neuburgischen Silberman darinn . . . für Se. Majestät stehet ein Pult von Schildpatte, das sehr reich und künstlich mit Silber ausgelegt ist; auf dem Tische liegt ein Verzeichniß der Conzerte, welche sich im neuen Pallaste befinden, und ein Notenbuch worin, wie Se. Majestät es nennen, Solfeggi geschrieben stehen, nemlich Preludia von schweren und geschwinden Sätzen, zur Übung der Finger und Zunge, wie die eigentlichen Solfeggi zur Uebung für die Kehle der Sänger sind. Se. Majestät haben von dieser Art Büchern für die Flöte eines in jedem Musikzimmer aller Palläste.“

Noch am gleichen Tag hatte Burney die Gelegenheit, einem Abendkonzert des Königs beizuwohnen. „Ich ward nach einem innern Zimmer des Pallastes geführt, worin die Herrn von des Königs Kapelle auf seinen Befehl warteten. Dieses Zimmer war dicht an dem Concertgemache, in welchem ich Se. Majestät ganz deutlich Solfeggi spielen und sich so lange mit schweren Passagien üben hören konnte, bis Sie die Musik hereinzutreten befohlen . . . Die Musik begann mit einem Flötenconcerte, in welchem der König die Solosätze mit großer Präcision vortrug. Seine embouchure war klar und eben, seine Finger brillant und sein Geschmack rein und ungekünstelt; ich war sehr erfreut, und sogar erstaunt, über die Nettigkeit seines Vortrags, in den Allegro’s sowohl, als über seinen empfindungsvollen Ausdruck in den Adagio's. Kurz, sein Spielen übertraf in manchen Puncten alles, was ich bisher unter Liebhabern, oder selbst von Flötenisten von Profession gehört hatte. Se. Majestät spielten drey lange und schwere Concerte gleich hinter einander, und alle mit gleicher Vollkommenheit.“

In seinem „Katalog der Musiksammlung auf der königlichen Hausbibliothek im Schlosse zu Berlin“ (Breitkopf & Härtel, Leipzig 1895) führt Georg Thouret die Solfeggien als Kompositionen Friedrichs des Großen, nicht dessen Lehrers Johann Joachim Quantz (1697-1773) auf. Zumindest die Mitwirkung Quantz’ bei der Entstehung diese Übungsstücke liegt dennoch nahe. An der Echtheit an sich besteht hingegen kein Zweifel. Die Blätter wurden von Kopisten, die auch mit der Abschrift anderer Kompositionen Friedrichs des Großen beschäftigt waren, angefertigt. Papier mit dem Wasserzeichen des Königs wurde verwendet, den verschlungenen Buchstaben F. R. (Fridericus Rex). In einem Exemplar fanden sich zudem zahlreiche autographe Eintragungen Friedrichs. Inzwischen sind die insgesamt vier originalen Flötenbücher, von denen jeweils drei Exemplare existierten, jedoch verloren.

Die vorliegende Auswahl der überlieferten Solfeggien gibt diese ohne Veränderungen wieder. Angaben zur Artikulation, die Verzierungen sowie notierte Vorhalte wurden beibehalten. Lediglich einzelne Sätze wurden durch Transposition dem Ambitus der Altblockflöte angepasst.
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